(Quelle:
Main-Post vom 30.7.2004)
Der
Kapitän geht von Bord
Verbandsschulrektor
Karl Mühlbauer nach 40 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet
Von unserem Mitarbeiter
ANDREAS MAISCH
FLADUNGEN Da sprach der alte Häuptling unserer Schule, wild
ist die Rhön und schwer ist der Beruf!" Als Indianer kam der
Junglehrer Karl Mühlbauer in die wilde Rhön und reifte in seinen
vierzig Dienstjahren als Lehrer und Schulleiter an der Verbandsschule
Fladungen zu einem echten Häuptling.
Gestern gab er die Kreide aus der Hand und wurde mit einer Feierstunde
in seiner Fladunger Schule in den Ruhestand verabschiedet.
Ein einfaches Klassenzimmer mit Tafel, Waschbecken und selbst gemalten
Bildern bildete den Rahmen für die Verabschiedung des Rektors der
Verbandsschule Fladungen, Karl Mühlbauer, in den Ruhestand. Passend
für einen Lehrer und Schulleiter aus Leidenschaft", wie
sich Mühlbauer selbst beschreibt.
Seine ersten Schritte als Pauker machte Karl Mühlbauer 1964 in der
evangelischen Schule in Ostheim und von 1965 bis 1967 in der Volksschule
Brüchs. In der einklassigen Schule in Brüchs lernte der Junglehrer
auch sofort, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen - war
er doch der einzige Lehrer und folgerichtig auch der Schulleiter der kleinen
Dorfschule.
1967 kam Mühlbauer an die Verbandsschule Fladungen, wo er für
die nächsten 37 Jahre in verschiedenen Positionen tätig sein
sollte. 1981 übernahm er als Schulleiter das Steuerrad des Fladunger
Schulschiffes und gestern nach 23 Rektorenjahren ging der Kapitän
von Bord.
Zuverlässigkeit, Pflichterfüllung und Verantwortlichkeit",
so Schulamtsdirektor Volker Hufnagel, seien wesentliche Charakterzüge
von Karl Mühlbauer. Mit diesen Tugenden habe sich Mühlbauer
stets mit ganzer Kraft und Überzeugung für seine Schule und
seine Schüler eingesetzt, so Hufnagel weiter. Ein echter Schulmeister
im alten Sinn sei Mühlbauer gewesen, der dennoch immer offen war
für schulische Innovationen.
Fladungens Bürgermeister Robert Müller, der die Einsatzfreude
von Karl Mühlbauer für die Fladunger Schule wohl mit am besten
aus hartnäckigen Haushaltsverhandlungen kennt, dankte dem scheidenden
Rektor für seinen großen Dienst an den Fladunger Kindern
und Jugendlichen." Dass Karl Mühlbauer auch unter Kollegen einige
Sympathien besitzt, unterstrich der Personalrats-Vorsitzende der Lehrerschaft
Rhön-Grabfeld, Winfried Tritschler. Für ihn sei Mühlbauer
immer ein ruhiger, sachlicher Kollege mit einer freundlichen Grundstimmung
gewesen.
Im Laufe der Jahre wurde unser Chef für uns Indianer immer
mehr der weise Häuptling, den man stets um Rat fragen konnte",
beschrieb der Konrektor und designierte Nachfolger im Amt des Schulleiters,
Egon Bauß, das Stammesleben im Lehrerzimmer der Fladunger Schule.
Großen Respekt in der Lehrerschaft habe sich Mühlbauer auch
dadurch verdient, dass er weiterhin mit Leib und Seele Lehrer gewesen
sei. Als besonderes Abschiedsgeschenk hatte das Lehrerkollegium für
ihren Chef ein selbst gedichtetes Lied vorbereitet.
Dann sprach der alte Häuptling unserer Schule, wild ist die
Rhön und schwer ist die Beruf" - als Mühlbauer zu bekannter
Melodie den leicht veränderten Text hörte, war ihm eine gewisse
Rührung anzumerken.
Wir haben erst in den letzten Jahren unseres Schuldaseins gemerkt,
wie schwierig es doch ist, Lehrer und dazu noch Schulleiter zu sein",
sagten die beiden Abgängerinnen Katharina und Natascha. Sie bedankten
sich im Namen aller Abgänger, dass der Rektor sie in schwierigen
Zeiten immer aufgebaut habe.
Und was sagte Karl Mühlbauer selbst an seinem großen Tag? Ich
habe immer gesagt, nehmt mich so an, wie ich bin, denn ich habe immer
nur das Beste für meine Schule gewollt", sagte der scheidende
Rektor in seinem Schlusswort und fügte an, dass er hoffe, seine Pflichten
erfüllt zu haben.
Nun kann Karl Mühlbauer seinen Schreibtisch in der Fladunger Schule
ausräumen und die Schultüre ein letztes Mal hinter sich schließen.
Doch vermutlich wird der weise Häuptling stets gerne den einen oder
anderen um Rat suchenden Indianer in seinem Wigwam hoch über der
Fladunger Schule empfangen.
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Karl Mühlbauer
und Ehefrau Elfriede zusammen mit (von links) Schulamtsdirektor Volker
Hufnagel, dem Personalratsvorsitzenden Winfried Tritschler, dem BLLV-Kreisvorsitzenden
Erich Schmitt, Konrektor Egon Bauß, Bürgermeister Robert Müller,
sowie Schulamtsdirektor Bruno Niedermeier. FOTO ANDREAS
MAISCH
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